Kloster-Tagebuch von Pater Joseph Dietrich – Band 15

27. März 1694 · Seite 165v · Scan 359
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Marginalien dieser Seite

Zeilen 1–3
[165v] 1694 Incendium in Cella Ratholdi .
(lat) Ein Brand in Radolfzell.
Zeilen 23–25
Eschenzii frequentes petunt semen hordei .
(lat) Die Eschenzer bitten mehrfach um Gerstensamen.

Transkription

Martius.
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Auf den Abendt ist bericht eingelangt, das zu
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Cell am vnder See ein starke brunst geweßen,
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welche am Morgen gegen 4 Vhren den Anfang
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genommen, vnnd von dem Mülli thor her ettliche
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Heüser eingeäscheret haben. Ich machte
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Gedanken, ob diß Ellend nit auch etwann
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vnßere Heüßer, welche vnß von Herrn Patris
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Mariani Erbtheil zukommen, möchten ge-
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Trofen worden seÿn. Müsste aber darüber
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mehreren bericht erwarten, vnnd alles
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dem Lieben Gott befehlen: sonsten, wann
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ich nit in Exercitiis begrifen were gewesen,
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hette mich nichts hinderhalten, den Augen-
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schein selbsten einzunemmen. Gott er-
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barme sich der armen beschädigten:
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Ich kan mir wohl einbilden, was es für
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ein jammer geweßen, dann gleiches Ellend
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zu Eÿnsidlen in Verbrünnung des dorfs
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vnnd dann auch des Schwösterhaußes
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selbsten gesehen vnnd erfahren.
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Der Abend war hinnacht ganz still,
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vnnd mit halb bedektem Himmel, auch
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nit kalt. Heüt hatt mann
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vnß mit Abforderung der Saamen-
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Gersten vill geplagt, also das die hauß-
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halterin weisß nit wie oft in die Schütti
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hinauf steigen müesßen. Eß war aber
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vnß auch daran gelegen, damit die Velder
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nit oed ligen müssten, vnnd der Zehendten
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gefolgen könnte.
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Der 27. Tag Martii. War ganz schön,
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zwar mit etwas Gewülk, aber nit kalt.
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Ich müsste heüt von den vnartigen
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bauren

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