Kloster-Tagebuch von Pater Joseph Dietrich – Band 6

8. November 1687 · Seite 377 · Scan 388
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Marginalien dieser Seite

Marginalie
[377]
Zeile 1
1687
Zeilen 4–5
Reverendus Pater Paulus Betschart moritur beate.
(lat) Der ehrwürdige Pater Paulus Betschart stirbt friedlich.
Zeilen 14–15
Eius qualitates et Talenta.
(lat) Seine Vorzüge und Begabungen.
Zeile 24
Amator solitudinis.
(lat) Er war ein Liebhaber der Einsamkeit.
Zeile 31
Honores et Officia.
(lat) Seine Ämter und Ehren.

Transkription

November.
1
geweßen, vbel gelitten, vnnd schier vnnuz worden.
2
Worvon die Probstÿ St. Gerold1 nit wenig Scha-
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den xxxa bekommen.
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8. Novembris. Ruefte der Liebe Gott zu seinen Gött-
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lichen Gnaden vnßeren Lieben alten Herrn Seniorem Reverendum Patrem
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Paulum Betschart, der zwar vor der Engelweÿ-
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hung allhero kommen, in der Meÿnung mit vnß zu-
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arbeiten, in der Wahrheit aber allhier zusterben,
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dann er in währender Engelweÿhung in ein
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Fieber gefallen, von selbigem zu Bett gelegt, vnnd
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allgemach dergestallten abgenommen, das er endt-
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lich heütigen Tag bald nach 1 Vhr nach Mittag dise
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Welt gesegnet. Gott tröste sein Liebe Seel.
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War ein Mann von sonders hohen vnnd grosßen
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Qualiteten, von herrlichem Verstand, kluegem
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Raht, beredter Zung, vortreflicher Memoria,
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beleßener in allen Büecheren, sunderlich auch Sanctis
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Patribus, das er mir selbsten geredt, er Chryso-
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sthomum vnnd Augustinum nit nur einmahl ganz
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außgeleßen. Könte so gar in grössten seinen
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Schmertzen vnnd aüsßerster Lebenszeit dißere
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mit kurzweiligen Geistlichen Sprüchen, deren er
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als ein reicher Brunnen voll war, milteren
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vnnd temperieren. Hatt seine Sanctam solitudinem sehr ge-
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liebt vnnd gleichwohl er gern gereisst, doch dar-
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bÿ einsamb geweßen, vnnd sich beständig in
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Leßung Geistlicher Büecheren belustiget. Wor-
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mit er so vill zugenommen, das was mann nur
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für einen Discurs angefangen, er dißen allezeit
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mit vilen Trostreichen Geistlichen Sprüchen beziehr-
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en können. Ist vor dißem in vilen Aempt-
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eren

Anmerkungen

a Streichung durch Autor. Rekonstruiert: gelitten.
1 Die Benediktinerpropstei St. Gerold liegt in der gleichnamigen Gemeinde im heutigen Bundesland Vorarlberg (Österreich). Sie wurde um 1220 erstmals erwähnt, obwohl die Gründung der Legende nach um 1000 herum stattgefunden haben soll. Die Propstei untersteht der Abtei Einsiedeln.Bibliografie